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Eurythmie-Magie mit Meerjungfrau

Von Ute Hallaschka, Oktober 2015

Erziehungskunst  01/2016

Die neue Produktion des Hamburger Eurythmietheater Orval kann nur wärmstens empfohlen werden. »Meluna die kleine Meerjungfrau« verzaubert nicht nur Kinderherzen. Sie stellt eindrücklich unter Beweis, was Eurythmie auf der Bühne leisten kann: dramatisch, magisch, geistesgegenwärtig. Anderthalb Stunden lang hat man traumhaftes Vergnügen und beste Unterhaltung, aller Sorgen entledigt. Das ist ein Geschenk, eine Erholungskur für die Nerven.

So rundherum glücklich und zufrieden verlässt man eine Aufführung nur, wenn alles stimmt. Da ist zuerst einmal die Regie von Rob Barendsma und die ausgezeichnete Textfassung von Christoph von Zastrow. Der Autor hat das bekannte Märchen von Hans Christian Andersen ganz neu geschaffen. Die Kälte und Schwere, auch die allzu moralinen Töne der Vorlage umgewandelt, zugunsten einer heiteren, poetischen Version, in der die kleine Meerjungfrau wirklich Mensch werden darf. Dazu versetzt er die Geschichte vom Norden in den Süden, nach Amalfi. Dieser »Südpol« entspricht dem Stil der Kompagnie. Musikalische, clowneske, Commedia dell Arte Elemente gehen Hand in Hand mit der eurythmischen Gestik. Und siehe da: Sie harmonieren wunderbar. Das liegt daran, dass die Darsteller ausgezeichnet sind, durch leibhaftige Spielfreude – leibliche Ausdruckslust im besten Sinne. Diese Lust, die so oft schmerzlich vermisst wird in eurythmischen Aufführungen, als stünde sie in Widerspruch zu Strenge und Form. Doch sie ist es ja gerade, die als künstlerischer Eros allem Bühnengeschehen – auch dem der Leichtigkeit und Komik – Gewicht gibt, Bedeutung und Sinn.

Hier wird sie als Poesie gekonnt in Szene gesetzt. Alle vier Darsteller verfügen über Mehrfachbegabung. Sie singen, tanzen, spielen Instrumente, führen Zaubertricks vor – sie tauschen unentwegt die Rollen und Fächer. Eurythmie erscheint hier als Theaterkunst, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Die beiden eurythmischen Darsteller, Danuta von Zastrow und Thomas Feyerabend können ebenso köstlich Theater spielen, wie der ausgezeichnete Erzähler und Schauspieler, Marcus Violette sich geradezu eurythmisch bewegt. Der vierte im Bunde, der Spielmann Roberto Hurtado Salgado an der Gitarre, wandert durch alle Formen und Figuren. Er ist immer derjenige, der gerade gebraucht wird.

Die Kinder sind glückliche Zuschauer in diesem Märchen, dem ein gutes Ende eingeschrieben wurde. Es ist zwischen Spannung, Gelächter, Tragik und Mitgefühl, genau die richtige Herzensmischung. Dazu wurde Meluna die zauberhafte Meerjungfrau auch komisch und fröhlich. Menschenskind! So lustig und schön kann Eurythmie erscheinen, so ganz und gar natürlich, wenn wirklich mit ihr gespielt wird. Welch eine Freude!

Weitere Aufführungstermine: http://orval.de